SfS - Sicherheitsberater für Senioren
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Aktuelle Warnung
Anrufe durch Telefonbetrüger
"Die Täter spielen mit den Gefühlen der Menschen": Hoher Schaden bei weiterer Tat durch
Telefonbetrüger.
Mit ihren perfiden und hochkriminellen Machenschaften sorgen sie immer wieder nicht nur für teils er-
hebliche finanzielle Schäden bei den Betroffenen, sondern hinterlassen bei ihnen auch regelmäßig tiefe
emotionale Spuren: Falsche Polizisten, die meist mit einem Anruf den Kontakt zu den Geschädigten
anbahnen und mit skrupellos aufgetischten Geschichten zum Erfolg kommen. Oftmals sind es Maschen
wie diese:
•
"Hallo, hier ist die Polizei. Ihr Sohn / Ihre Tochter hat einen schweren Autounfall verursacht, bei
dem ein anderer zu Tode gekommen ist. Damit er / sie nicht ins Gefängnis kommt, müssenSie eine
Kaution zahlen."
•
"Hier spricht Kommissar Müller. Ihre Bank wurde von Verbrechern gehackt. Ihr Geld ist dort nicht
mehr sicher! Übergeben Sie es uns, mein Kollege kommt und holt es ab".
Auf letztere Weise hatten Betrüger etwa am 28. Oktober eine ältere Frau in Dietzenbach und am Tag
darauf eine hochbetagte Bürgerin in Langen überrumpelt und nicht gerade wenig Geld erbeutet.
Die erstgenannte Masche vom Unfall und der Kaution kam jüngst ebenfalls in Dietzenbach zum
Einsatz. Auch hier traf es eine Seniorin. Ein angeblicher Polizist rief die Dame an und schwindelte ihr
vor, dass ihre Tochter an einem Verkehrsunfall mit einer schwerstverletzten Frau schuld sei und sie
nun eine Bürgschaft zur Haftabwendung leisten müsse. Die Dame ließ sich am 30. Oktober Geld bei
Ihrer Bank auszahlen und übergab gegen 9.30 Uhr eine hohe fünfstellige Summe im Bereich eines
Supermarktes in der Gallischen Straße an eine etwa 30-jährige, korpulente Abholerin.
Eine annähernd gleiche Story bekam auch ein Senior aus Wächtersbach am 29. Oktober zu hören,
als es bei ihm klingelte. Am anderen Ende der Strippe sprach ein Mann, der sich ein leicht abgewan-
deltes Pseudonym gab. Er wäre der Sohn des Angerufenen und habe ebenfalls einen tödlichen Unfall
herbeigeführt. Auch er wurde aufgefordert, Geld zur Freilassung des angeblichen Angehörigen zu zah-
len - nahezu 60.000 Euro lautete die Forderung. Seine Frau und er reagierten jedoch richtig und leg-
ten gleich auf, sodass es zu keinem Verlust kam.
Ältere Menschen wie in diesen Fällen geraten häufig ins Visier der Kriminellen.
Ihre Opfer finden die Betrüger nicht selten in Telefonbüchern. "Sie suchen nach bestimmten
Vornamen, die für diese Generation typisch sind", erklärt Thomas Leipold, Pressesprecher des
Polizeipräsidiums Südosthessen. "Für gewöhnlich haben die älteren Semester ein gesteigertes Maß an
Hilfsbereitschaft. Anderen in Not zu helfen, ist für sie quasi selbstverständlich", so der
Hauptkommissar, der verdeutlicht, dass Senioren vielfach vulnerabler sind. Im Gegensatz zu vielen
Jüngeren lassen sie sich leichter in Aufregung versetzen, wenn etwas Schlimmes passiert und es fällt
ihnen zumeist deutlich schwerer, solch eine Situation kritisch zu hinterfragen.
Erst emotionale Nähe, dann der Schock
Zahlreiche Opfer haben lange nach der Tat auch noch mit mentalen Folgen zu kämpfen. "Viele haben
ein Gefühl, etwas falsch gemacht zu haben, schämen sich dafür und hadern mit sich. Man muss sich
bewusst machen, dass die Täter mit den Gefühlen der Menschen spielen, hochprofessionell sind und
unglaublich geschickt agieren. Es gelingt ihnen, die erfundene Notsituation wirklich glaubhaft zu ver-
mitteln. Der Schockmoment, den die Betrüger gezielt herbeiführen, indem sie sich auf die
Gefühlsebene begeben, führt dazu, dass die Leute nicht mehr rational denken und handeln. Das ist ihr
Ziel. Wenn sie das erreicht haben, sind die Opfer bereit, hohe Beträge zu zahlen", so Leipold.
Enormer Zeitdruck als Druckmittel
Leipold skizziert, wie die Anrufer zu verhindern versuchen, dass die Opfer in Ruhe nachdenken oder
Rücksprache mit jemandem halten können. "Sie verwickeln sie gezielt in ein Gespräch und beschäfti-
gen sie, dass sie gar nicht auf die Idee kommen, dass hier was nicht stimmt. Die Betrüger bauen
einen enormen Zeitdruck auf und fordern ihre Opfer zum umgehenden Handeln auf. Sie sollten bei-
spielsweise gleich zur Bank gehen. Die Zeit dränge, alles hinge nun von den Angerufenen ab." Bei sol-
che Schilderungen, gerade wenn es um Geldforderung geht, müssen die Alarmglocken läuten, so der
eindringliche Hinweis.
Appell an Angehörige als "verlängerter Arm" in der Aufklärungsarbeit
Um zu verhindern, dass die Betrüger ihre Opfer erfolgreich täuschen, spielt Aufklärung eine zentrale
Rolle. Dabei kann es tatsächlich jeden treffen, egal in welchem Alter. Je bekannter die
Betrugsmaschen werden, desto schwieriger wird es für die Gauner, selbst wenn sie in neuen Varianten
agieren. Ganz entscheidend ist, so der Sprecher, sich in der Familie zu besprechen und auf die Masche
aufmerksam zu machen. "Wir informieren regelmäßig die Öffentlichkeit über solche Fälle, um diese
zum Anlass zu nehmen, Tipps zu geben, wie man sich schützen kann. Die Angehörigen sind dabei wie
ein verlängerter Arm in der Aufklärungsarbeit, die das beste Gegenmittel zur Verhinderung solcher
Taten ist.
Familienmitglieder können daher viel bewirken." Wichtig ist auch, vor allem ältere Angehörige zu sen-
sibilisieren, ihnen die Angst zu nehmen beziehungsweise die Gewissheit zu geben, dass so schnell nie-
mand inhaftiert werden kann, sondern wenn überhaupt, stets ein Prozess vorangeht.
Die Tipps der Polizei in Kürze:
•
Die Täter versuchen gezielt, durch schockierende Aussagen am Telefon eine Stresssituation bei den
Opfern zu erzeugen. Meist wird angegeben, ein Bekannter oder Verwandter habe einen
Verkehrsunfall mit einem Todesopfer verursacht. Nehmen Sie sich Zeit, um die Angaben der
Anrufer zu überprüfen. Ein gesundes Misstrauen gegenüber den Anrufern ist dabei keine
Unhöflichkeit.
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Die Polizei wird Sie niemals um Geld oder Wertgegenstände bitten!
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Übergeben Sie grundsätzlich niemals Geld oder Wertsachen an fremde Personen.
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Legen Sie einfach auf und verständigen Sie über den Polizeinotruf 110 die Polizei.
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Da die Opfer meist ältere Menschen sind, sollten Familienangehörige sie auf die Gefahren von sol-
chen Telefonaten aufmerksam machen.
•
Weitere hilfreiche Präventionstipps erhalten Sie bei der sicherungstechnischen und verhaltensorien-
tierten Prävention des Polizeipräsidiums Südosthessen unter der Rufnummer 069 8098-2424